In der heutigen Gesellschaft haben Jugendliche eine immer schlechtere Lobby. Sie gelten als Säufer, Egoisten und Vandalen, die oftmals in gewaltbereiten Banden auftreten und sich an keine Regeln halten möchten.
Doch ist das wirklich „unsere Jugend“? Oder ist es nur eine Minderheit, die dieses Bild erzeugt?
Wir müssen schon genauer hinsehen, eine differenzierte Betrachtung der Problematik ist geboten.
Wussten sie beispielsweise, dass
95 % der jugendlichen Bevölkerung Nordrhein-Westfalens noch nie strafrechtlich in Erscheinung getreten ist?
die Zahl der tatverdächtigen Jugendlichen in den letzten 10 Jahren um 1,5 % gesunken ist?
die häufigsten Delikte (ca. 60% der Straftaten) keine Gewaltdelikte, sondern Diebstahl, Sachbeschädigung und Schwarzfahren waren?
die meisten jugendlichen Täter nur ein einziges Mal in Erscheinung getreten sind?
Bei diesen positiven Zahlen darf allerdings auch nicht übersehen werden, dass
in den letzten 10 Jahren die Zahl der ermittelten weiblichen Tatverdächtigen (leider) um 4,5 % gestiegen ist?
dass 50 % der Delikte von nur 5 % der Jugendlichen, den so genannten Mehrfach- oder Intensivtätern, begangen wurden?
dass bei den Gewaltdelikten 30% aller Täter unter Alkoholeinwirkung standen?
Eines zeigen diese Zahlen ganz deutlich:
die Jugend ist bei weitem nicht so schlecht wie ihr Ruf.
Lediglich eine Minderheit trägt hierfür die Verantwortung. Jugendkriminalität ist dabei als gesamtgesellschaftliches Problem zu sehen. Primär sind hier die Eltern gefordert, aber darüber hinaus müssen alle, auch Behörden, Institutionen, Polizei und Politik helfen, dass Kinder und Jugendliche nicht in die Kriminalität abgleiten.
Davon abgesehen bedarf „unsere Jugend“ der Anerkennung, Unterstützung und Ermutigung von Seiten der Erwachsenen.

Franz Schmitz
Uli Trommer
Jugendbeauftragte der Polizei Aachen